Kämpfen lohnt sich!

„Es braucht Ehe ohne Grenzen, damit Menschen wie wir die Unterstützung bekommen, die sie brauchen um eine Chance auf ein Happy End zu haben!“

Wir lernten uns im Herbst 2017 im Fitness-Studio kennen – nach und nach wurde Liebe daraus.

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass mir nicht bewusst war, auf was ich mich da einließ, denn relativ schnell hatten uns diverse kleine und auch große Probleme fest im Griff.

Wir lernten uns in Deutschland kennen – in seinem „Heimatort“, wenn man das denn so nennen kann – allerdings bin ich Österreicherin und wohnte zu dem Zeitpunkt auch hier. Weil er in Deutschland mit einer Duldung lebte, durfte er nicht einmal zu Besuch kommen. Die „Duldung“ (vorübergehende Aussetzung der Abschiebung) bedeutete, dass sein Asylantrag abgelehnt worden war und er eigentlich alsbald abgeschoben werden sollte. Deshalb durfte er einstweilen auch Deutschland nicht verlassen.

Zuerst ließen wir uns gemeinsam einen Termin bei seinem Anwalt geben, um einen Überblick über die Situation zu bekommen. Der Anwalt konnte unsere Lage allerdings auch nicht schöner reden als sie war. Nach einigen Besuchen im Asylwohnheim zog ich mehr oder weniger dort ein. Nach einem Termin bei der Ausländerbehörde wurde uns gesagt, ich solle mir eine Wohnung in Deutschland nehmen, dann könne er bei mir wohnen (auf den Ton der Angestellten gehe ich lieber nicht näher ein).

Wir machten uns auf Wohnungssuche, was sich leider als reine Katastrophe herausstellte: Anscheinend werden in Bayern keine Wohnungen an Afrikaner vermietet und auch nicht an deren Partner*innen…“

Nach sechs Monaten nahmen uns endlich ganz liebe Leute in ihrem Haus auf, jedoch wurde der Antrag, damit er bei mir wohnen darf, dann doch von der Ausländerbehörde abgelehnt. Zu der Zeit versuchten wir bereits verzweifelt, Papiere in seiner Heimat für unsere Hochzeit zu beantragen, wobei uns seine Familie und Freunde kräftig unterstützten. Als wir endlich die Geburtsurkunde, den Staatsbürgerschaftsnachweis und die Ledigkeitsbescheinigung hatten, konnten wir bei der Botschaft einen Personalausweis beantragen. Das größte Problem war schließlich, dass die Dokumente für die Hochzeit von der österreichischen Botschaft seines Herkunftslandes beglaubigt werden mussten. Ich stellte mir das recht einfach vor, da es ja „meine“ Botschaft ist, und mich meine Landsleute ja unterstützen müssten. Ähhm ja, dem war nicht so. Ich fasse es mal kurz:

„‚Wir wollen ihn in Österreich aber auch nicht haben!‘, war eine der vielen abwertenden Aussagen, die ich mir anhören musste.“

Nach einiger Zeit stellte sich heraus, dass sie die Dokumente nicht beglaubigen würden und auch keine Auskunft zu dem „Fall“ mehr gegeben würde. Ohne dieser Beglaubigung kann man aber nicht heiraten, weshalb ich weiterhin täglich bei der Botschaft anrief, bis ich irgendwann mit einem netten Herrn verbunden wurde, der unsere Dokumente dann doch noch absegnete. Da wurde mir wirklich bewusst, wie wichtig es ist nicht aufzugeben und immer weiter zu kämpfen, da oft das Schicksal über ein ganzes Leben in den Händen einer einzigen Person liegt. Dann kommt es darauf an, ob derjenige es gut mit einem meint oder eben nicht, oder man macht so lange weiter bis das Gegenüber aufgibt! 😉

Endlich konnten wir das Aufgebot für unsere Hochzeit machen. Dabei mussten wir alle Dokumente – auch jene, mit denen eine Abschiebung möglich gewesen wäre – beim Standesamt vorlegen.

„Damit begann die Zeit des Hoffens und Bangens: Denn wenn ein*e Drittstaatangehörige*r in Österreich heiraten möchte, darf sie*er das erst ein Monat nach dem Aufgebot tun, damit die Ausländerbehörde Zeit hat, den Fall zu prüfen. Somit begannen die längsten vier Wochen unseres Lebens.“

Bis zur Trauung beim Standesamt hatten wir Angst vor einer Abschiebung, oder dass uns die Hochzeit doch noch verwehrt wird. Glücklicherweise ist nichts davon passiert und wir konnten im Jänner 2020 nach 1,5 Jahren, die wir mit Papierbeschaffung zubrachten, und tausenden Euros weniger in der Tasche, heiraten! Danach ging alles ganz schnell. Durch meinen Umzug nach Deutschland konnte ich als „EWR-Bürgerin“ (Anm. Österreicherin, die von ihrem Freizügigkeitsrecht Gebrauch gemacht hat, weshalb auch für ihre Familienangehörigen EU-Recht gilt) meinen Mann relativ problemlos nach Österreich bringen: Wir mussten alle Dokumente übersetzen lassen, ich musste eine Selbstauskunft über meine finanzielle Lage abgeben, ihn bei mir mitversichern (kostet natürlich auch extra) und eine Bestätigung vom Vermieter vorweisen, dass wir auch wirklich dort wohnen durften. Und „schon“ hatten wir eine Aufenthaltsgenehmigung und somit auch gleich eine Arbeitserlaubnis in der Tasche!

„Das Erschreckende dabei ist, dass man dies nur mit genug Geld am Konto schaffen kann. Hätte ich meinen Mann 10 Jahre früher getroffen, hätte ich das alles nicht bezahlen können.“

In Deutschland durfte er selbst nach sieben Jahren Aufenthalt immer noch nicht arbeiten, was ja wirklich ein absoluter „Witz“ ist. Durch solche Regelungen wie diese wird der Hass gegenüber Ausländer*innen immer weiter geschürt. Wenn Menschen nichts über dieses Thema wissen, denken sie vermutlich, dass diese nicht arbeiten wollen. Dass es aber die Behörden selbst verbieten, wissen sie nicht, und es scheint sie auch nicht zu interessieren.

„Eines möchte ich euch allen mit auf den Weg geben: Dass ihr niemals aufhören sollt für eure Liebe zu kämpfen – es kann sich wirklich lohnen!“

Wir haben so viele Tränen vergossen, uns über diverse Alternativen den Kopf zerbrochen, aber wir haben es geschafft: Jetzt leben wir mit meiner ganzen Familie in einem Haus, mein Mann darf endlich arbeiten und wir sind einfach nur überglücklich, obwohl das, was wir jetzt haben, ja für die meisten Menschen ganz normal ist. Für uns ist es aber etwas ganz Neues, nämlich ein Leben ohne Anwalt, ohne tägliche Anrufe bei Behörden, ohne Angst vor einer Abschiebung und ohne Sorgen über die Zukunft.

Also lasst den Kopf nicht hängen und kämpft für euer Glück!!

(M. & P., im Mai 2020)

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