Der Tag, an dem wir uns nicht mehr verabschieden mussten

„Es braucht Ehe ohne Grenzen, damit die Liebe zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft eine faire Chance bekommt.“

September 2018: Vanessa war gerade am Flughafen in Manila und auf dem Weg nach Wien zu einer 5-tägigen Geschäftsreise unterwegs, als ich Kontakt mit ihr über die beliebte App couchsurfing aufnahm.“

Sie antwortete mir und so entstand unsere erste Konversation. Als sie dann in Wien ankam, bat ich sie um ein persönliches Treffen. Zum damaligen Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass Vanessa ursprünglich vorhatte, Zeit mit ihrer Freundin in Wien zu verbringen. Da diese aber kurzfristig krank geworden war, konnten Vanessa und ich uns in der Lobby ihres Hotels im 2. Bezirk treffen. Es war eine freundliche Unterhaltung, die sich gegen Mitternacht intensivierte, als ich ihr, wie zuvor versprochen, ein paar Lieder des bekannten Pop-Künstlers Ed Sheeran vorgesungen hatte. Der Abend wurde noch länger und endete gegen 1:30 Uhr mit einer innigen Verabschiedung vor dem Hotel.

Es war bereits klar, dass wir uns wieder sehen würden und so kam es zwei Tage später zu einem weiteren Treffen. Ausgangspunkt war der selbe Ort, doch diesmal zogen wir los, um uns dem Charme der Stadt hinzugeben. Zuerst vor den Mauern des Augartens und schließlich vor dem berühmten Stephansdom. Dieser Abend war für uns beide ein Schlüsselmoment, da wir uns näher kennenlernen und uns gegenseitig viele Fragen stellen konnten.
Zu einem dritten Treffen wäre es fast nicht mehr gekommen, da Vanessa schon kurz darauf wieder zurück nach Manila musste – und ich meinen am Tag davor verpassten Schlaf nachholte. Es gelang uns jedoch, am Morgen ihrer Abreise auf Wiedersehen zu sagen und Erinnerungsstücke auszutauschen (eine Karte und Sonnenblumen). 

„Das war der Start einer langen Phase des Chattens und zahlreicher Videotelefonien, was meistens sehr gut funktionierte. Dennoch waren wir uns einig, dass die Distanz von über 10.000 km kein Dauerzustand sein kann.“

Im Oktober gelang es mir dann, Vanessa davon zu überzeugen, Weihnachten und Neujahr mit mir in Österreich zu verbringen. Das war erst der Auftakt zu mehreren Treffen, bei denen wir uns immer besser kennenlernten. 

April 2019: Wir waren gerade erst durch die Altstadt Salzburgs spaziert, als wir in ein Café abbogen, um die heiß ersehnten Salzburger Nockerl zu genießen. Es war soweit, dass Vanessa wissen wollte, ob wir nun offiziell zusammen sind. Ich bejahte das schüchtern, wie ich nunmal bin und war froh, dass wir das auch geklärt hatten. Für beide war klar, dass eine Fernbeziehung nur eine Übergangslösung sein könnte.
In weiterer Folge gab es noch drei weitere Treffen: In Wien, Italien und auf den Philippinen, Vanessas Heimatland. Jedes Mal mussten wir weite Wege auf uns nehmen, um uns treffen zu können.

Doch am Ende verabschiedeten wir uns immer mit einem erfüllten Herzen. Wir sehnten den Tag herbei, an dem wir uns nicht mehr verabschieden werden mussten. Wir brauchten also einen Plan: Wir einigten uns darauf, dass Vanessa nach Österreich kommen würde.

„Wir informierten uns bezüglich ihres Aufenthaltsrechts und stellten fest, dass eine Rot-Weiß-Rot Karte eine Möglichkeit wäre, damit wir gemeinsam in Österreich leben können. Nach und nach sahen wir aber, dass das damit verbundene Punktesystem und der notwendige fixe Arbeitsvorvertrag sehr schwierig zu erreichen sind.“

Man muss mindestens 70 von 100 Punkten haben, außerdem hochqualifiziert sein oder eine Ausbildung in einem Mangelberuf haben und es braucht die Zustimmung vom AMS. Vanessa hätte aufgrund ihrer umfangreichen Qualifikationen (Studium, Berufserfahrung, Deutschkenntnisse) das Punktelimit erfüllt. Sie hätte aber mit einem zusätzlichen Arbeitssuche-Visum nur 6 Monate Zeit gehabt, um einen Job, entsprechend ihrer Ausbildung, zu finden. Deshalb war diese Option für uns einfach zu riskant.

Im Jänner 2020 kam es dann auf den Philippinen zu unserer Verlobung. Wir hatten den Plan, im März in Österreich zu heiraten. Am 18. März sollte Vanessa ihren Flug antreten, doch einen Tag davor sperrte die EU wegen der beginnenden COVID-19 Pandemie ihre Außengrenzen. Deswegen wollten wir kein Risiko eingehen.

„Es begann eine anstrengende Zeit des Wartens und Hoffens. In dieser Zeit kontaktierte ich erstmals Ehe ohne Grenzen.“

Ich konnte in Erfahrung bringen, dass es für Vanessa, neben dem Visum oder der Rot-Weiß-Rot Karte auch die Möglichkeit für eine Aufenthaltskarte nach dem EU-Recht gibt. Denn den dafür notwendigen Aufenthalt im EU-Ausland hatte ich während meines Studiums in Deutschland vor Jahren schon absolviert. Mit dieser wertvollen Information schöpften Vanessa und ich neue Hoffnung.

Im Juli war es dann soweit: dass Vanessa buchte ihren Flug nach Wien, nachdem wir uns beim Gesundheitsministeriums um eine Ausnahmegenehmigung zur Einreise nach Österreich, trotz COVID-Beschränkungen, bemüht hatten. Diese Bestätigung gab es speziell für Hochzeiten und wir konnten einen entsprechenden Hochzeitstermin vorweisen. Trotz dieser Bestätigung durfte Vanessa in Manila nicht ins Flugzeug, da die Grenzbehörden in Wien die Einreise untersagten. Ich versuchte von Wien aus herumzutelefonieren, die Zeit war extrem knapp. Mir wurde zwar in Östereich mehrmals bestätigt, dass Vanessa eigentlich einreisen können sollte, aber die Information, die die Airline in Manila bekommen hatte, war schlichtweg falsch. Vanessa musste unter Tränen den Flughafen verlassen.

Zwei Tage später klappte es dann aber mit dem Flug und es gab keine weiteren Probleme bei der Einreise. Vanessa und ich gaben uns in Kärnten am Wörthersee im kleinen Kreis das Ja-Wort.

„Einerseits war es eine wundervolle Zeit, weil wir lernten, zusammenzuleben und das Leben gemeinsam zu bewältigen. Gleichzeitig mussten wir uns aber auch dem Antrag auf die EU-Aufenthaltskarte stellen, was zu einem Hürdenlauf und einer Geduldsprobe wurde.“

Die Wartezeiten auf einen Termin waren mit 4 Wochen ziemlich lang. Nachdem Vanessas Visum der Kategorie C allerdings am 8. August auslief, hatten wir Sorge bezüglich des legalen Aufenthalts. Demnach riefen wir beim Außenministerium an und bekamen den Tipp, einen Online-Antrag bei der MA 35 zu stellen. Wir stellten also alle erforderlichen Dokumente zusammen und schickten den Antrag am 1. August ab.

Wir nahmen trotzdem unseren Termin Mitte August bei der MA 35 wahr. Dort wurde uns mitgeteilt, dass wir uns auf lange Wartezeiten einstellen müssten, da es einen Rückstau von 700 E-Mails gäbe. Aber erst einen Monat später, im September, bekamen wir die so wichtige Bestätigung, dass wir den Antrag eingereicht hatten, was uns erstmals Sicherheit gab. Diese brauchten wir auch dringend, damit sich Vanessa überhaupt krankenverischern konnte. Die Versicherung wurde mit einer Befristung bis Ende Jänner gewährt. Zu diesem Zeitpunkt hätte unser Antrag bei der MA 35 auch laut Gesetz fertig bearbeitet worden sein sollen, denn die Frist beträgt 6 Monate.

So kam der Jänner und wir wollten uns bezüglich unseres Antrages informieren. Kontaktaufnahmen mit der MA35 via Telefon und E-Mail blieben erfolglos und auch das Terminbuchungssystem war überlastet. Im Februar setzten wir uns wieder mit Ehe ohne Grenzen in Verbindung. Dort bekamen wir den entscheidenden Tipp, bei der Volksanwaltschaft Beschwerde wegen der zu langen Verfahrensdauer einzulegen.

„Die Volksanwaltschaft wurde für uns tätig und so wurde unser Verfahren bei der MA 35 endlich weiter bearbeitet.“

Wir mussten Anfang März noch ein paar Unterlagen nachreichen, aber das funktionierte alles ohne Probleme. Unserem Antrag wurde stattgegeben und die Aufenthaltskarte wird uns demnächst zugeschickt werden.

April 2021: Mit heutigem Stand sind wir optimistisch, dass wir auch die letzten verbliebenen Hindernisse überwinden werden können und in eine stabile und glückliche Zukunft schauen können. Ohne die Unterstützung von Ehe ohne Grenzen wäre dieser Weg so nicht möglich gewesen und dafür möchten wir Danke sagen.

(Vannessa und Daniel, im April 2021)

Die Geschichten unserer Testimonials geben die subjektive Meinung der jeweiligen Autor_innen wieder und erheben keinen Anspruch auf Objektivität.

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